I know you are tired, but come. This is the way…
In your light I learn how to love.
In your beauty, how to make poems.
You dance inside my chest, where no one sees you, but sometimes I do,
and that sight becomes this art.
Rumi
WIE ALLES BEGANN
Es gibt Gefühle, die zu groß sind für den Feierabend. Gedanken, die sich nicht schicken…
zu roh, zu unfertig, zu ehrlich für die meisten Räume. Dinge, die in uns brodeln: zu laut für die Stille, zu unbequem für den Smalltalk, und irgendwie auch zu sperrig für eine Welt, die eigentlich gerade keine Zeit hat. Und
trotzdem (oder gerade deshalb) wollen sie raus. Klopfen sie. Hartnäckig. Leise. Manchmal mitten in der Nacht, manchmal genau dann, wenn man eigentlich nur kurz an der Kasse stehen wollte.
Lionesspoetry ist aus genau diesem Raum entstanden: aus dem Wunsch, Worte zu finden für das, was in uns brodelt, zu laut für die Stille, zu unbequem für den Smalltalk, zu wahr, um es einfach durchzuatmen. Und aus der Erkenntnis,
dass die Welt drumherum oft keinen Platz dafür hat. Dass wir diesen Platz also selbst schaffen müssen. Menschen zusammenzubringen in einer Atmosphäre, die von Liebe getragen wird und von der Bereitschaft, sich wirklich zu zeigen.
Alle Facetten eines Lebens zu beleuchten, nicht nur die instagramtauglichen, sondern auch die, die um drei Uhr morgens auftauchen und keine schöne Form haben. Das ist Lionesspoetry.
Nicht mehr. Nicht weniger.
DER WEG
Die Reise begann 2017 auf Slam-Bühnen. Applaus, Stoppuhr, Publikumsvoting… eine aufgeregte, pulsierende Welt. Und doch: die eigenen Texte wollten sich nicht ganz einfügen. Sie traten nicht an. Sie setzten sich hin. Machten es sich gemütlich. Und weigerten sich hartnäckig zu „gewinnen“.
Zunächst war da Enttäuschung. Die leise, hartnäckige Art, die sich nachts hinsetzt und fragt: Habe ich Talent? Gehöre ich überhaupt dazu? Ist das hier meine Welt? Und wenn nicht wo dann? Fragen, die wehtun. Doch genau darin lag auch die Einladung, den eigenen Weg zu finden.
In der Spoken Word Szene öffneten sich Bühnen, die einfach sein lassen. Kein Wettbewerb, keine Schiedsrichter, kein leises Rauschen von Bist du gut genug? Stattdessen: Was hast du zu sagen? Und dann Stille. Die gute
Art. Die, in der zugehört wird ohne zu bewerten. Es folgten zahllose Open Mic Abende, bei denen die eigene Stimme wuchs manchmal zögerlich, manchmal mit voller Wucht. Immer echter.
Und irgendwann passierte etwas Unerwartetes. Die Worte, die ursprünglich keinen Platz fanden, begannen Menschen zu berühren, und dass tief genug, dass sie fragten: Kannst du das bei uns erzählen? Kommst du in unseren Podcast? Auf unsere Bühne? Plötzlich waren da Einladungen. Nicht als Poetin im Wettbewerb, sondern als Stimme. Als jemand, der über die Magie der Poesie spricht wie über etwas Lebensnotwendiges.
Und irgendwann tauchte die nächste Frage auf: Was, wenn dieser Raum nicht nur für mich da sein könnte?
We are fascinated by the words, but where we meet is in the silence behind them.
Ram Dass
Aus dieser Liebe zur Sprache (und zu den Menschen, die sie suchen) entstanden die Workshops The Speaking Heart und Mind Your Poetry. Keine klassischen Schreibkurse. Eher ein Zwischenraum: zwischen Selbstreflexion und Ausdruck, zwischen dem, was in einem steckt, und dem Mut, dafür Worte zu finden. Es geht um die Ecken und Nischen des Seins, die stillen Zimmer in uns, die selten Beachtung finden. Und die trotzdem, oder gerade deshalb, gehört werden möchten.
Ende 2018 folgte die Co-Gründung von Dreamcatchers, der ersten internationalen Open Art Stage Göttingens. Eine Bühne für die Künste in all ihren Formen: von Akrobatik bis Trompetensolo, in allen Sprachen und Stilen, mit viel Raum zum
Zuhören, Zusehen, Nachspüren und vor allem: zum Ausprobieren. Zum ersten Mal auf einer Bühne stehen. Zum Zittern und Trotzdem. Ein Ort, der sich wie Familie anfühlt. Für alle, die sich fragen: Darf ich das überhaupt? Bin ich gut genug dafür? Interessiert das irgendjemanden?
Die Antwort lautet jedes Mal: Ja. Komm auf die Bühne.
Was als persönliche Suche begann, ist zu einer Einladung geworden. An alle, die ihre Stimme suchen, die schreiben, die gehört werden möchten. An die, die lieber zuhören: mitspüren, sich bewegen lassen, nachklingen lassen.
Lionesspoetry ist die Überzeugung, dass Worte heilen, verbinden und Räume öffnen können, die lange verschlossen waren. Dass das Leben in all seinen Farben, auch den unbenannten, es verdient, ausgesprochen zu werden. Dass wir Menschen, in unserer ganzen Tiefe, gesehen werden wollen.
Mit allem, was wir sind. Das ist das Versprechen.. An das Wort. An den Moment. An die Schönheit und Vielfalt des Seins.